Start-up

Soccer Watch – Kamera läuft in der Kreisliga

Das Essener Start-up Soccerwatch bringt den Amateurfußball ins Wohnzimmer. Die Gründer erhielten dabei Unterstützung durch das Kompetenzzentrum für Innovation und Unternehmensgründung an der Universität Duisburg-Essen.

Die Idee entstand bei „Currywurst und Bier“. Georg Moser saß bei der gleichnamigen Netzwerkveranstaltung der Uni Duisburg-Essen mit Thomas Harmes zusammen. Die beiden Männer plauderten – unter anderem über Fußball. Harmes erzählte seinem Kumpel, dass er mal wieder ein Fußballspiel seiner Söhne verpasst hatte. Er war unterwegs, konnte deshalb nicht am Sportplatz des TSV Meerbusch stehen. „Es müsste mal eine Webcam dort hängen, so dass man sich die Spiele auch am PC anschauen kann“, sagte Harmes.

Für Moser war dieser Satz Ansporn, das Problem zu lösen. Der Maschinenbau-Student kaufte im Baumarkt eine Plastikkiste, schnitt Löcher für eine Kamera hinein, verlegte Kabel und befestigte die Konstruktion an einem Flutlichtmast. Anfang 2016 streamte er so das erste Amateurspiel. „Die Qualität war echt schlecht, und trotzdem hatten wir direkt Hunderte Zugriffe auf Youtube“, erzählt Moser. Mit seinen Bekannten Bernd Holarek, Jonathan Overhoff, Marvin Baudewig, Christian Bodenstein und Jan Taube beschloss er, das Projekt auf professionelle Beine zu stellen. Sie gründeten das Start-up Soccerwatch.

Starthilfe bekamen sie vom Kompetenzzentrum für Innovation und Unternehmensgründung (IDE) an der Uni Duisburg-Essen. Bis zu 150 Gründer besuchen die Seminare und Treffen pro Jahr. „Uns liegt es am Herzen, die Firmen ans Laufen zu bringen“, sagt Thomas Nußbruch, stellvertretender Leiter des IDE. „Davon profitieren sowohl die Hochschule als auch die Firmen.“

Und bei Soccerwatch läuft es: Mittlerweile sorgen rund 30 Mitarbeiter dafür, dass die Nutzer Fußballspiele aus dem Amateurbereich im Wohnzimmer, in der Straßenbahn oder am Strand verfolgen können. Ansässig ist das Unternehmen an der Hafenstraße. Das Stadion des Regionalliga-Klubs Rot-Weiss Essen liegt nur einen Steinwurf entfernt. „Das ist Zufall, wir haben hier die passenden Räume gefunden“, sagt Moser bei einem Treffen in seinem Büro.

Platz braucht das Team von Soccerwatch, um seine ambitionierten Ziele zu verfolgen. An der Hafenstraße produzieren sie in Serie neue Kamerasysteme, in denen eine modernere Technik schlummert als im Prototyp aus dem Baumarkt. Vom Aussehen erinnern die neuen Modelle an eine Straßenlaterne. Die intelligente Software erkennt automatisch interessante Szenen auf dem Platz und schneidet diese zusammen. Bis Ende 2018 sollen 1.000 Kameras an Flutlichtmasten in der gesamten Republik hängen. Die Nachfrage ist groß, was wenig verwundert bei 25.000 Fußballklubs, 160.000 Mannschaften und 1,8 Millionen Spielen pro Saison in Deutschland. „Bis dato konnten die Fußballfans nur die Partien aus dem Profibereich sehen“, sagt Moser. „Das sind gerade mal 0,1 Prozent des gesamten Angebots. Wir wollen aber auch die spannenden Spiele aus der Kreisliga zeigen.“

Er und seine Mitstreiter wiesen an der Uni Duisburg-Essen immer auf das Potenzial von Streaming im Amateursport hin. Im Kompetenzzentrum für Innovation und Unternehmensgründung waren Moser, Holarek und Overhoff Stammgäste. Seit sie mit dem Vertrieb von Designstücken aus alten Bahnhofsuhren und Flughafentafeln erste Schritte in der Start-up-Szene gemacht hatten, standen sie mit dem IDE-Team im Austausch. „Die Mitarbeiter haben uns sehr gut unterstützt, weil sie wissen, worauf es bei einer Unternehmensgründung ankommt“, lobt Moser. „Außerdem haben sie sehr gute Kontakte.“

Als die Studenten dem IDE-Team um Thomas Nußbruch und Volker Breithecker die Pläne zur Streaming-Plattform vorstellten, bekamen sie einen besonders wertvollen Hinweis: nämlich auf das EXIST-Förderprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums. Das Trio brauchte für die Teilnahme allerdings einen Professor, der sie begleitet. Sie traten mit Volker Gruhn in Kontakt, der Inhaber des Lehrstuhls für Software Engineering an der Uni Duisburg-Essen ist. Der Informatiker war vom Gründergeist der Studenten begeistert. „Dass Professor Gruhn zudem ein großer Fußballfan ist, war für uns dabei von Vorteil“, sagt Georg Moser und grinst. Was sich für die Jung-Unternehmer zudem gut traf: Gruhn ist Mitgründer und Aufsichtsrats-Vorsitzender des Software-Herstellers adesso. Er lud die drei Studenten nach Dortmund ein. Dort erzählten sie dem adesso-Vorstand von ihrer Idee. Die Folge: Das IT-Unternehmen stieg mit einem einstelligen Millionenbetrag als Investor ein. Der Mobilfunkanbieter Vodafone schuf die Infrastruktur.

Künftig will sich Soccerwatch finanzieren durch Werbung während der kostenfreien Übertragungen – sowohl von überregionalen als auch lokalen Anbietern. „Die Einnahmen durch die lokalen Sponsoren gehen zu fünfzig Prozent an die Sportvereine und zu fünfzig Prozent an uns“, erklärt Georg Moser.

Sein Kumpel Thomas Harmes hat die Fortschritte bei Soccerwatch derweil positiv zu Kenntnis genommen. Wenn er unterwegs ist, kann er anstatt den Bundesliga-Profis aus Schalke und Dortmund auch seinen Jungs vom TSV Meerbusch zugucken.

Georg Moser und Jan Taube