Neu in der Stadt

Rund 43.000 junge Menschen studieren an der Universität Duisburg-Essen. Auch Franziska Klinkert (19) und Fabian Schnitker (19) aus Herford sind wegen des Studiums nach Essen gezogen. Sie studiert Soziologie, er Medizin. Nach ihrem ersten Semester an der Hochschule berichten die beiden von ihren Erfahrungen.

Nach dem Abitur standen Euch alle Wege offen. Ihr beide habt Euch entschieden, in Essen zu studieren. Wie kam das?

Franziska: Wir wollten zusammen in eine neue Stadt gehen, und das Ruhrgebiet fanden wir schon immer interessant.
Fabian: Da wir beide wussten, was wir studieren möchten, hatten wir eine Liste gemacht und aufgeschrieben, wo unsere Fächer überall angeboten werden. Am Ende standen knapp 40 Städtenamen darauf – und Essen stand an erster Stelle.

Ihr kommt aus Herford. Kanntet Ihr Essen schon von früheren Besuchen?

Franziska: Nein, das erste Mal sind wir hier hergekommen, um uns Wohnungen anzusehen. Das war dann gar nicht so einfach…
Fabian: Insgesamt haben wir uns 17 Wohnungen angeschaut. Da war viel Schrott dabei. Fündig geworden sind wir letztlich in Holsterhausen.
Franziska: Alles, was wir brauchen, haben wir vor der Haustür. Es ist nicht weit bis in die Innenstadt oder zur Uni. Und wenn wir mal in Rüttenscheid ausgehen wollen, können wir auch zu Fuß schnell hin.

Wie habt Ihr den Start in der neuen Stadt erlebt?

Franziska: Anfangs war es schon etwas schwierig. Alles war neu. Gerade an der Uni war es nicht leicht, sich zu orientieren. Hilfreich war da die Einführungswoche. Und eine App namens „myUDE“. Sie funktioniert wie ein Navi für den Campus, zeigt Wege an und informiert, was es in der Mensa zu essen gibt.
Fabian: Außerdem gibt es Mentoring-Programme. Da bekommt man Unterstützung von Studenten, die schon länger an der Uni sind.

Also seid Ihr inzwischen gut in Eurer neuen Heimat angekommen?

Franziska: Ja, total. Essen ist sehr jung, sehr lebendig und die Menschen sind total offen…
Fabian: … ganz anders als in Ostwestfalen (lacht).

Wird von der Universität Duisburg-Essen gesprochen, heißt es immer wieder, sie sei eine „Pendler-Uni“.

Fabian: Ja, da ist auch was dran. Viele Kommilitonen schätzen halt den Komfort, den sie haben, wenn sie weiter bei den Eltern wohnen. Außerdem brauchen sie kein Geld für Miete ausgeben.
Franziska: Ich hab schon mitbekommen, dass manche meiner Mitstudenten jeden Tag zwei Stunden mit Pendeln verbringen, weil sie bis an den Niederrhein fahren.

Also würdet Ihr wohl kaum sagen, Essen sei eine klassische Studentenstadt.

Fabian: (lacht) Nein, ganz sicher nicht. Eine Studentenstadt sollte schon vom studentischen Leben geprägt sein. Das ist Essen nicht. Finde ich aber auch nicht schlimm.
Franziska: Außerdem gibt es hier echt gute Angebote für Studenten.

Zum Beispiel?

Franziska: Das Kulturticket! Das ist eine Kooperation zwischen Theater und Philharmonie und der Uni Duisburg-Essen. Studenten können damit für einen Euro in die Oper, ins Ballett oder ins Theater.
Fabian: Ja, das Angebot ist echt spitze. Wir haben zum Beispiel die „Zauberflöte“ gesehen,
saßen in der dritten Reihe, hatten also super Plätze – und haben nur zwei Euro bezahlt. Normalerweise hätten unsere Tickets zusammen 120 Euro gekostet.

Habt Ihr denn angesichts von Vorlesungen und Seminaren, Hausarbeiten und Lernen überhaupt genug Freizeit, um solche Angebote zu nutzen und die Stadt zu erkunden?

Fabian: Nun ja, unsere Studienfächer sind sehr unterschiedlich – und somit auch die Anforderungen. Ich bin meist von morgens bis abends auf dem Campus, und wenn ich nach Hause komme, muss ich oft noch lernen.
Franziska: Bei mir ist das etwas ruhiger. Ich hatte im ersten Semester zum Beispiel jeden Donnerstag und Freitag frei. Unterm Strich bleibt aber schon genug Zeit für Erkundungstouren.

Und wo seid Ihr dann unterwegs?

Fabian: Eigentlich im ganzen Ruhrgebiet. Man bekommt ja gar nicht mit, dass man ständig Stadtgrenzen überquert. Das macht die Region so spannend. Was es in Essen nicht gibt, gibt es vielleicht in Duisburg, Bochum oder Dortmund.
Franziska: Früher, als wir noch in Herford gelebt haben, war alles… etwas ländlicher. Die nächstgrößere Stadt dort ist Bielefeld. Wenn man dann aber mal in eine andere Stadt möchte, überlegt man sich das zwei Mal.

Gibt es aus Eurer Sicht denn etwas, das in der Stadt für Studenten problematisch ist?

Fabian: Der Nahverkehr. Besonders, wenn es etwas später ist. Dass die Nachtbusse nur jede Stunde fahren, ist gerade für Studenten unpraktisch.

Und gibt es etwas, das Ihr unbedingt in nächster Zeit erleben wollt?

Franziska: Mal schauen, wir haben ja längst noch nicht alles angeschaut, was wir gerne sehen möchten. Wir entdecken hier jeden Tag etwas Neues.