Prof. Dr. Norbert Lammert, Bundestagspräsident, a.D.

Lernen, Lehren und Forschen im „Labor Ruhrgebiet“

Die „NRW School of Governance“ ist ein Zukunftsort der Demokratie. Forscher tauschen sich dort intensiv aus und inspirieren sich gegenseitig. Studierende profitieren vom starken Praxisbezug der wissenschaftlichen Ausbildung.

„Labor Ruhrgebiet“. Hier, in einem der größten europäischen Ballungsräume, zeigen sich soziale Megatrends und politische Prozesse früher als an anderen Orten in Deutschland. Neue gesellschaftliche Konfliktlinien und ihre Lösungsansätze lassen sich hier geradezu avantgardistisch für Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft beobachten. Wer in der Metropole Ruhr lernt, lehrt und forscht, kann dies auch auf die deutsche und europäische Ebene übertragen. Public Policy in diesem Umfeld zu etablieren, braucht Spürgefühl für gesellschaftliche Entwicklungen. Die „NRW School of Governance“ hat sich drittmittelfinanziert unter öffentlicher Trägerschaft an einer Hochschule mit gesellschaftlichem Bildungsauftrag vor über zehn Jahren eingerichtet – ein logischer Schluss in einer Region mit langer Unternehmens- und Stiftertradition, in der die Akteure eng mit dem Kultur- und Wirtschaftsraum Rhein-Ruhr sowie der Politik verbunden sind.

Der politikwissenschaftliche Lehr- und Forschungsgegenstand weist weit über NRW hinaus. Die Universität Duisburg-Essen stellt dabei den Rahmen: Als Bildungsinitiative für das Ruhrgebiet in den 1970er-Jahren gegründet, spiegelt sie den Strukturwandel der industriell geprägten Region. Und heute zeugt die Hochschule mit einem eindeutigen „Ja“ zu zukunftsweisenden Schwerpunkten wie der „NRW School of Governance“ von visionärer Kraft. Das Institut für Politikwissenschaft ist eines der größten in Deutschland. Die hier ansässigen 16 Professuren bieten eine bedeutende thematische Bandbreite und vielfältige Forschungsexpertise.

Die „NRW School of Governance“ repräsentiert mit ihren Lehr- und Forschungsaktivitäten den Bereich des „Modern Democratic Governance“: Forschend lehren und lernen im Umfeld von Politikmanagement, Public Policy und öffentlicher Verwaltung. Fünf Themenbereiche stehen dabei im Fokus: „Modernes Regieren und Politikmanagement“, „Parteien und Willensbildung“, „Wahlen und Wählen“, „Wissen, Ethik und Beratung“ sowie „Sprache, Medien und Kommunikation“.

Zentrale Untersuchungsgegenstände sind Akteure und Institutionen, Instrumente und kommunikative Techniken sowie ethische Fragen und neue Herausforderungen des modernen Regierens. Eine Reihe der Forschungsprojekte wird von regionalen Kooperationspartnern unterstützt. So fördert zum Beispiel die Brost-Stiftung ein Projekt zum „Kommunikationsstress zwischen Politikern, Bürgern und Journalisten im Ruhrgebiet“.

Im September 2010 startete das Projekt „Regierungsforschung.de“, das wissenschaftliche Online-Magazin der „NRW School of Governance“. Hier schreiben Politologen für Kollegen, aber auch für Praktiker aus der Politik, für Journalisten und für alle, die sich für praxisnahe politikwissenschaftliche Themen interessieren.

Ein Ort für die Ausbildung

Zur Eröffnung der „NRW School of Governance“ im November 2006 berichteten Printmedien, Radio und Fernsehen vom neuen „deutschen Harvard an der Ruhr“. Seither bewerben sich Studierende aus allen Teilen der Bundesrepublik und aus dem europäischen Ausland für den Master-Studiengang „Politikmanagement, Public Policy und öffentliche Verwaltung“. Wer heute verantwortliche Tätigkeiten in Wissenschaft und Wirtschaft, in Verwaltung und Politik
oder für Non-Profit Organisationen übernimmt, braucht neben Fachkenntnissen auch Orientierungs- und Gestaltungswissen, um sich in wechselnden Arbeits- und Lebenssituationen und auf internationalen Arbeitsmärkten zu orientieren – darauf werden die Studierenden an der „NRW School of Governance“ vorbereitet.

Das Promotions- und Graduiertenkolleg verfolgt das Ziel, Promovierende zu begleiten und zu fördern. Im Kern richtet sich das Angebot an die
Stipendiaten der „NRW School of Governance“ –
es bietet aber auch Unterstützung für interne und externe Promovenden am Institut für Politikwissenschaft.

Hinzu kommt der jüngste Baustein der „NRW School of Governance“: der berufsbegleitende Weiterbildungsstudiengang „Master of Public Policy“. Er richtet sich an Entscheidungsträger und Young Professionals, die in politischen Schnittstellenbereichen tätig sind.

Anwendungsorientierung und Wissenstransfer

Akademische Exzellenz und professionelle Orientierung bedürfen im Verständnis von anwendungsorientierter Forschung immer eines konkreten Bezugs zu potenziellen Berufsfeldern. Wenn der Zweck ein Wissenstransfer und die Verbesserung von Public Policy sein sollen, sollte über die Vernetzungsintensität und Vernetzungsqualität auch ein Wirken in die politische Gemeinschaft ablesbar sein. Gemeinsam mit Kooperationspartnern können Forschungsvorhaben zu politischen Problemlagen abgeleitet und realisiert werden. Der Anwendungsfall drückt sich darin aus, dass ein strikt wissenschaftlich reflektierter Praxisbezug sowohl die Theorien als auch die Methoden der Analyse prägt.

Durch viele langjährige Kooperationen hat die „NRW School of Governance“ auch in der anwendungsbezogenen Lehre viel zu bieten: Die Summer School im Landtag Nordrhein-Westfalen öffnet jährlich ihre Türen für Studierende, und gemeinsam mit der Stiftung Mercator wird jährlich die Gastprofessur für Politikmanagement verliehen. Träger waren unter anderem Rita Süssmuth, Christian Wulff, Peer Steinbrück und Jutta Limbach. Auch weitere Lehrformate wie Verhandlungsübungen, Medientraining und Exkursionen nach Berlin und Brüssel prägen das Lehrangebot der „NRW School of Governance“.

Wer anwendungsbezogen lehrt und forscht, hat auch die außeruniversitäre Öffentlichkeit im Blick. Hierzu zählt etwa die Vermittlung forschungsbasierter Informationen an Nichtfachleute und nicht-forschende Organisationen. Wissenschaftler haben eine Transmissionsaufgabe zur Übersetzung von Forschungsergebnissen. Die Teilnahme am öffentlichen Diskurs wird als akademische Leistung anerkannt; auch außerhalb der Universität sprechfähig zu sein, erhöht nicht nur die Sichtbarkeit, sondern übersetzt das Wissen auch in aktive Gesellschaftsberatung.

Prof. Dr. Jutta Limbach,
ehemalige Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts

Auch Christian Wulff, Bundespräsident, a.D., war Gastprofessor an der NRW School of Governance.