Interview

Prof. Dr. Jochen A. Werner

„In Essen schlägt das smarte Herz der digitalen Krankenhauszukunft.“ sagt Prof. Dr. Jochen A. Werner (59). Er ist Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Essen. Ein Gespräch über die Medizin von morgen, bei der das „Smarte Krankenhaus“ der zentrale Treiber ist für Medizin, Menschlichkeit und wirtschaftlichen Erfolg.

Herr Werner, Sie haben die Krankenhausmedizin als Arzt, Wissenschaftler und Manager mitgestaltet. Jetzt sind Sie seit rund zwei Jahren in Essen. Was macht die Essener Universitätsmedizin und die hiesige Wissenschaftslandschaft so spannend?

In Essen ist die digitale Medizin schon Realität – und es wird noch viel mehr kommen. Die Innovationskraft der Essener Universitätsmedizin leistet dabei einen führenden Beitrag. Die gesamte Wissenschaftslandschaft ist meines Erachtens ein „Powerhouse“ – und es ist gut, das auch sichtbar zu machen.

Können Sie Beispiele nennen, wo „Smart Hospital“ in der Universitätsmedizin Essen bereits heute funktioniert?

Die Liste ist lang. Die Universitäts-Radiologie ist beispielsweise schon längst digitalisiert. Sie hat diesen Vorsprung genutzt und gehört jetzt zu den ersten Institutionen, die mit künstlicher Intelligenz arbeiten.

Und auch die Chirurgie ist bereits vorn mit dabei…

Ja, bei der „Computerassistierten Chirurgie“ werden digitale Technologien bei der Planung und Durchführung von Operationen genutzt. Modernste Visualisierungs- und Bildfunktionen ermöglichen unseren Chirurgen eine genaue dreidimensionale Orientierung während der Eingriffe. Patienten profitieren dadurch von einem hohen Maß an Sicherheit und Präzision. Die digitale Welt eröffnet völlig neue Dimensionen der modernen Chirurgie.

Und wie sieht das in den Laboren aus?

Als eine der ersten Kliniken in Deutschland hat die Universitätsmedizin Essen ihre Labormedizin komplett digitalisiert. Medizininformatiker werten Labordaten aus und entwickeln digitale Automatisierungs-Systeme. Der Vorteil für unsere Patienten: Erkrankungen werden effizient, neutral und präzise identifiziert. Gleichzeitig haben unsere Ärzte eine bestmögliche Datenbasis zur weiteren Therapieplanung. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die „Westdeutsche Biobank
Essen“. Seit ihrer Einrichtung 2014 wurden rund 300.000 Proben archiviert. Sie konnten bereits in vielen Forschungsprojekten genutzt werden. Und dies alles ist erst der Anfang.

Wie geht es denn weiter?

Die konzernweite Einführung einer elektronischen Patientenakte bringt mehr Sicherheit für Patienten und eine bessere Qualität der Behandlung, die beispielsweise Doppeluntersuchungen vermeidet. Digitale Systeme können Pflegekräfte entlasten, etwa bei Dokumentationsaufgaben. Perspektivisch werden auch humanoide Roboter im Einsatz sein. Neue Aus- und Weiterbildungskonzepte sind in der Pipeline. Zudem soll ein digitales Service- und Informationscenter den Service für Patienten weiter verbessern.

Kann die digitale Medizin den Menschen überflüssig machen?

Computer- und Roboter werden die Patientenversorgung vor, während und nach dem Krankenhausaufenthalt verbessern. Die menschliche Intelligenz wird dabei durch „Artificial Intelligence“ aber nur ergänzt – nicht etwa ersetzt. Die Ärzte und Pflegekräfte können sich verstärkt auf das konzentrieren, was nur sie können. Sie werden ihre Patienten auch künftig mit aller Zuwendung begleiten. Und dies eben hochindividuell und trotzdem wirtschaftlich.

Sehen Sie auch Risiken des „Smart Hospital“?

Die Medizin, wie wir sie heute kennen, wird es in der näheren Zukunft so nicht mehr geben. Digitale Technologien bringen ebenso viele Chancen wie Herausforderungen, für Patienten und Mitarbeiter. Dass die Chancen die Herausforderungen dennoch wert sind, ist eine Grundüberzeugung, die nicht alle Menschen teilen. Es gibt freilich rechtliche und ethische Bedenken. Um darüber offen zu diskutieren, haben wir das Gremium „Ethik-Ellipse Smart Hospital“ ins Leben gerufen.

Welche Rolle spielt das „Smart Hospital“-Engagement der Universitätsmedizin Essen in der Essener Gesundheitslandschaft?

Auch andere Einrichtungen in Essen beschäftigen sich mit dem Thema „Smart Hospital“. Das ermöglicht Kooperationen. Die Universitätsmedizin Essen sieht sich hier als zentralen Impulsgeber. „Smart Hospital“ wird das Zukunftselement einer erfolgreichen Essener Gesundheitslandschaft sein.

(Foto: Frank Lothar Lange)

Als Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Essen verantwortet

Prof. Dr. Jochen A. Werner

(59) gemeinsam mit mehr als 8.200 Kollegen aus Ärzteschaft, Pflege und Verwaltung die Universitätsmedizin Essen. Rund 1.770 Betten, zwölf Tochterunternehmen, circa 70.000 behandelte Patienten im stationären Bereich sowie 300.000 ambulante Behandlungen, 32 Kliniken und 24 Institute setzen in Forschung, Lehre und Krankenversorgung auf Spitzenmedizin und Menschlichkeit. Die Leitidee des „Smart Hospitals“ ist dabei der zentrale Treiber für die Medizin, das Patientenwohl und wirtschaftlichen Erfolg.