Forschung für eine bessere Wissenschaft

Die Neuausrichtung des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI)

Nach zehnjähriger Leitung des Instituts durch den Politikwissenschaftler Claus Leggewie hat die Literaturwissenschaftlerin Julika Griem Anfang 2018 das Amt der KWI-Direktorin übernommen.

Zukünftig wird die Forschung des KWIs in vier neuen Feldern organisiert: Im Bereich Kulturwissenschaftliche Wissenschaftsforschung soll untersucht werden, mit welchen Schlagworten, Symbolen, Bildern und Medien Wissenschaft sich selbst beschreibt und organisiert. Im Feld Kultur- und Literatursoziologie fragen wir danach, wie Methoden und Theorien philologischer und sozialwissenschaftlicher Forschung verbunden werden können. Die Sektion Wissenschaftskommunikation widmet sich der Analyse aktueller Vermittlungsprobleme angesichts der Herausforderung einer populistischen Wissenschaftsskepsis. In einem Lehr-Labor sollen neue geistes- und kulturwissenschaftliche Formate entwickelt und in die Lehrpraxis an anderen Institutionen exportiert werden.

Ins Zentrum der künftigen Institutsarbeit rückt die Reflexion kulturwissenschaftlicher Forschung selbst: Was kann es heute heißen, Kulturwissenschaft zu betreiben? Mit welchen Relevanz-Erwartungen und Sinnstiftungs-Anforderungen ist sie konfrontiert? Wie definiert sie ihre Formen von Kritik und Kommentar; ihre Routinen des Lesens und Schreibens, Zeigens und Argumentierens? Unter welchen sozialen und ökonomischen Bedingungen vollzieht sich unsere Arbeit? Welche Systemzwänge, Förderlogiken und ungewollten Effekte beeinflussen unsere kulturwissenschaftliche Forschung? Und kann man diese schließlich so analysieren, dass sie sich verändern und verbessern lassen? Mit diesen Fragen nach den Voraussetzungen, Grundlagen und Folgen unserer Arbeit am KWI markiert das Institutsteam einen wissenschafts- und hochschulpolitischen Schwerpunkt. Gerade als Teil der Universitäts-Allianz Ruhr (UAR) und ihres vielschichtigen institutionellen Gefüges sehen wir die Möglichkeit, zu offenen und furchtlosen Diskussionen unserer Arbeitsverhältnisse und ihrer gesellschaftlichen Folgen einzuladen. Eine besondere Rolle wird dabei die Lage junger Kolleginnen und Kollegen spielen, für die das KWI als Treffpunkt und Diskursarena bereit steht.

Die am KWI erfolgreich etablierten Forschungsprojekte der Partizipations- und Kommunikationskultur sowie weitere Einzelprojekte werden auch unter Julika Griems Leitung fortgeführt.

Begleitet wird die neue Ausrichtung des Kulturwissenschaftlichen Instituts von einem hochkarätigen hauseigenen literarischen Programm. In Kooperation mit den zahlreichen Akteuren der Region soll das bestehende literarische Programm in Essen und Umgebung um wissenschaftliche Perspektiven ergänzt werden. Die langjährige Zusammenarbeit mit der Buchhandlung „Proust“ wird fortgesetzt, mit der Literarischen Gesellschaft Ruhr konnte das KWI einen neuen versierten Partner gewinnen. Für den kommenden Herbst und Winter haben Schriftsteller wie Michael Lentz, Joshua Cohen und Felicitas Hoppe bereits ihren Besuch angekündigt. Den Auftakt macht am 23. September zur „Wissensnacht Ruhr“ die Historikerin Nina Verheyen, die mit Julika Griem über ihr Buch „Die Erfindung der Leistung“ sprechen wird.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch und auf eine gute Zusammenarbeit im Ruhrgebiet!

Steckbrief

Das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) ist ein interdisziplinäres Forschungskolleg für Geistes- und Kulturwissenschaften der Ruhr-
Universität Bochum, der TU Dortmund und der Universität Duisburg-Essen. Als interuniversitäres Kolleg kooperiert es mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern seiner Trägerhochschulen sowie weiteren Partnern in NRW und im In- und Ausland. Innerhalb des Ruhrgebiets bietet das KWI einen Ort, an dem die Erträge ambitionierter kulturwissenschaftlicher Forschung mit Interessierten aus Stadt und Region geteilt und diskutiert werden.

www.kulturwissenschaften.de