Eine kurze Geschichte der Essener Wissenschaft

Essen ist kein klassischer Hochschulstandort, entwickelte sich aber im Laufe des vergangenen Jahrhunderts rasant zu einer Wissenschaftsstadt: Rund 43.000 Studierende sind mittlerweile allein an der Universität Duisburg-Essen eingeschrieben. Die Stadt hat zudem ein großes Angebot an Forschungs- und Weiterbildungseinrichtungen und ist Sitz bedeutender Institute.

Dass Wissenschaftler lange einen Bogen um Essen machten, hatte politische Gründe: Hochschulgründungen waren unter Kaiser Wilhelm II. im Ruhrgebiet untersagt. Es durfte weder Kasernen noch Universitäten in der Region geben, offenbar um keine potenziellen Unruheherde im industriellen Herzen des Deutschen Reiches zu erzeugen.

In das Wilhelminische Zeitalter fällt aber die Eröffnung der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie (VWA). Im Jahr 1907 gründete die Stadt Essen mit der Industrie- und Handelskammer zu Essen diese Bildungseinrichtung. Noch heute können Berufstätige an der VWA durch berufsbegleitende Studiengänge ihr Praxiswissen erweitern.

In der Weimarer Republik kam es dann zur Gründung der Folkwang Universität der Künste. Seit 1927 ist Hochschule eine zentrale künstlerische Ausbildungsstelle für Musik, Theater, Tanz, Gestaltung und Wissenschaft. Die Folkwang Universität genießt einen exzellenten Ruf: Mit circa 1.600 Studierenden ist sie die zweitgrößte Kunsthochschule Deutschlands. 1927 war für Essens Hochschullandschaft ein bedeutendes Jahr. Auch das Haus der Technik feierte seine Eröffnung. Es gilt als das älteste technische Weiterbildungsinstitut Deutschlands. 16.000 Teilnehmer nutzen jährlich das Angebot im Haus der Technik, das die RWTH Aachen seit 1946 als Außeninstitut anerkennt.

1963 begann schließlich mit dem Klinikum die Geschichte der Ruhr-Hochschulen. Die Städtischen Krankenanstalten in Essen wurden zur zweiten medizinischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, ab 1967 gab es dann einen Verbund mit der Ruhr-Universität Bochum.

Apropos Ruhr-Universität: Die Eröffnung dieser Hochschule im Jahr 1965 löste eine Gründungswelle in Nordrhein-Westfalen aus. So entstand 1972 auch die Gesamthochschule Essen, die aus einer Ingenieur-Fachschule, der Pädagogischen Hochschule, dem Universitätsklinikum in Holsterhausen und der Höheren Fachschule für Sozialarbeit und Wirtschaft bestand. Letztgenannte wurde als Gebäude-Karree am nördlichen Rand der Innenstadt auf einem zuvor abgerissenen Teil des Arbeiterviertels Segeroth errichtet. Die Idee dahinter war, eine enge Integration der Akademiker in die städtische Bevölkerung zu erreichen. Die Neugründungen standen sinnbildlich für den Strukturwandel der Region vom Kohle- und Stahlstandort zum Dienstleistungszentrum.

Die nächste bedeutende Gründung fällt in das Jahr 1991: Die private „FOM – Hochschule für Oekonomie & Management“ bot fortan betriebswirtschaftliche und ingenieurwissenschaftliche sowie gesundheitswissenschaftliche und sozialwirtschaftliche Studiengänge für Berufstätige und Auszubildende an. Der Studienbetrieb startete 1994. Essen ist auch heute noch Hauptsitz der FOM, die mit mehr als 46.000 Studierenden Deutschlands größte private Hochschule ist.

Im Jahr 1997 eröffnete die Hamburger Fern-Hochschule dann zwei Studienzentren in Essen, die berufsbegleitende Bachelor- und Masterstudiengänge in den Fachbereichen Technik sowie Gesundheit und Pflege anbieten.

Die Hochschullandschaft wandelte sich weiter: 2003 fusionierte die Universität-Gesamthochschule Essen mit der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg zur Universität Duisburg-Essen. Die Einheit gehört nun zu den zehn größten Universitäten Deutschlands. Auch der Markt der privaten Anbieter wächst: Seit 1998 können Besucher der „Steinbeis Hochschule“ über das Transfer-Institut „Institute for Public Health and Healthcare“ Bachelor- und Masterabschlüsse erwerben.

Seit 2003 gibt es die ebenfalls private Hochschule der bildenden Künste in Kupferdreh. Der neueste Meilenstein ist das „Quartier Nord“, der neue Campus der Folkwang Hochschule auf Zollverein.

In Essen sitzen zudem einige wissenschaftliche Forschungseinrichtungen:

Seit 1926 existiert das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, eine außeruniversitäre Einrichtung für wirtschaftswissenschaftliche Forschung. Das 1937 gegründete Gas- und Wärme-Institut Essen e.V. hat sich als anerkanntes Forschungsinstitut etabliert. Ferner ist 1985 das Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung mit dem Ziel der Intensivierung der deutsch-türkischen Beziehungen eröffnet worden. Seit 1989 gibt es zudem das Kulturwissenschaftliche Institut Essen, ein interdisziplinäres Forschungskolleg der Universitätsallianz Ruhr für Geistes- und Kulturwissenschaften.

2018-07-11T13:55:50+00:00Categories: #02 Unsere gemeinsame Initiative|