Die Essener Wissenschaft in der Wissenschaftslandschaft Ruhr

Die ganze Region profitiert von einer starken Wissenschaftsstadt. Forschung endet eben nicht an den Stadtgrenzen. Es gilt, regionale Perspektiven zu entwickeln, ohne lokale Interessen zu vernachlässigen.

Aktiv in Essen und in der ganzen Region: Eine Strategie für die „Wissenschaftsstadt Essen“ muss sich auf die Hochschullandschaft der Stadt konzentrieren – ohne dabei die regionale Perspektive aus dem Blick zu verlieren. Denn wenn Essen auf lokaler Ebene gut aufgestellt ist, profitiert davon die gesamte „Wissenschaftsregion Ruhr“.

Die „Wissensmetropole Ruhr“ soll die regionale Wissenschaft stärken, vernetzen und bewerben – in Deutschland und weltweit. Zu diesem Zweck gibt es standortübergreifende Projekte, die an der Schnittstelle „Wissenschaft – Wirtschaft – Stadt“ ansetzen, und ein gemeinsames Marketingkonzept für die „Wissensmetropole Ruhr“. So soll die Region ihre Stärken offen ausspielen können und mit Alleinstellungsmerkmalen punkten.

Ähnlich wie Essen kooperieren auch weitere Städte in der Region mit ihren Hochschulen. Mit gutem Vorbild voran geht dabei Essens Nachbarstadt Bochum. Stadt und Hochschulen arbeiten dort seit dem Jahr 2009 als „UniverCity Bochum“ zusammen. Mit dem Anspruch, zugleich Netzwerk, Marke und programmatischer Ansatz zu sein, verfolgen die mittlerweile zwölf Netzwerkpartner vor allem eines: Menschen für die Hochschulstadt zu begeistern – und sie zu Botschaftern der „UniverCity“ zu machen. Bochum hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem starken Hochschulstandort entwickelt: Mit rund 57.000 Studierenden an neun Hochschulen nimmt Bochum einen Spitzenplatz unter den Top 10 der größten Hochschulstädte Deutschlands ein.

Angesichts dieser Zahlen wird deutlich, dass die Hochschulen auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor sind: „Sie sind mit zusammen knapp 10.000 Beschäftigten nicht nur größter Arbeitgeber in Bochum, sondern sorgen darüber hinaus für indirekte Beschäftigungseffekte sowie für Ausgaben- und Nachfrageeffekte in Milliardenhöhe“, so Johanna Löwen, Leiterin des Projektbüros UniverCity Bochum.

Beteiligt an der „UniverCity“ sind – neben der Stadt Bochum – sieben Hochschulen (Ruhr-Universität Bochum, Hochschule Bochum, Evangelische Hochschule RWL, TH Georg Agricola, EBZ Business School, Hochschule für Gesundheit, Folkwang Universität der Künste), das Studierendenwerk AKAFÖ, Bochum Marketing, die IHK Mittleres Ruhrgebiet und das Deutsche Bergbau-Museum Bochum.

Die Netzwerkpartner wollen Bochum als Stadt der Wissenschaft und Bildung weiter stärken. Damit dies gelingt, setzen die Akteure bereits beim Nachwuchs an. Ein Motto lautet: „Talente und Begabungen“. Junge Menschen sollen früh für die Hochschule begeistert werden, etwa durch Veranstaltungen wie die „KinderUni Bochum“ oder den Bochumer Hochschultag.

Unter dem Motto „Perspektiven“ blickt man in Bochum auf den Übergang von der Hochschule ins Berufsleben. So kommen Studierende bei „Studis on Tour“ mit Unternehmen vor Ort in Kontakt. Obendrein lernen sie den Freizeitwert der Stadt kennen. Mit dem „Kulturscheckheft“ erkunden sie die Kulturorte der Stadt, und sie entdecken bei studentischen Stadttouren spannende Viertel abseits des Campus.

Ebenfalls hat sich die „UniverCity“ dem Motto „Zusammenwirken und Willkommenskultur“ verschrieben. Dabei macht auch der Oberbürgermeister mit – jedes Jahr lädt er Studierende aus dem Ausland zum Empfang ins Rathaus ein.

Beim Thema „Wissenstransfer“ arbeiten die Netzwerkpartner unter Federführung der Ruhr-Universität gemeinsam an der „Worldfactory“, die – neben weiteren Aufgaben – Studierende bei der Gründung eines eigenen Unternehmens unterstützt.
Die Bochumer Akteure verfolgen mit großem Interesse, was in Essen und weiteren Hochschulstädten in Sachen „Wissenschaftsstadt“ passiert. „Essen scheint sich mit dem ‚Aktionsplan Wissenschaft‘ auf einem guten Weg zu befinden“, beobachtet Johanna Löwen. Generell setzen immer mehr Kommunen im Ruhrgebiet und deutschlandweit auf Profilbildung durch die Wissenschaft. „Es wird daher für die Standorte zukünftig umso wichtiger sein, ihre Alleinstellungsmerkmale zu entwickeln“, ergänzt sie.

Dr. Lars Tata, Referent für strategische Entwicklung bei der Stadt Bochum, hält einen langen Atem und eine strategischen Positionierung der Stadt für wichtig: „In Bochum sehen wir, dass die intensive Netzwerkarbeit und die frühzeitige Konzentration auf `Wissensbasierte Stadtentwicklung´ Früchte trägt. So haben direkte UniverCity-Bezüge Eingang in die `Bochum Strategie´, dem gesamtstädtischen Handlungsrahmen, gefunden.“ Symbolisch für die angestrebten Effekte steht die Entwicklung der ehemaligen Opel-Fläche zu einem Wissensstandort („Mark 51°7“). „Die Anstrengungen lohnen sich für Stadt, Hochschulen und Wirtschaft“, fasst Lars Tata zusammen.

Gleichzeitig wächst in der Region, auch bei lokalen Akteuren, das Verständnis für die Wissensregion Ruhr, ihre Notwendigkeit und Belange. Dies basiert auf der Erkenntnis, dass bei bestimmten Themen nur die regionale Perspektive und regionales Handeln auch zu lokalem Mehrwert führt. Als klassisches Thema gilt das internationale Standortmarketing.

Dass die regionale Dimension mehr sein kann als die Summe lokaler Perspektiven, zeigt seit 2007 die Universitätsallianz Ruhr aus Ruhr-Universität Bochum, Technischer Universität Dortmund und Universität Duisburg-Essen, die sich zunehmend im globalen Wettbewerb der Hochschulen behauptet. Diese Kooperation ist auch ein Vorbild für die „Wissenschaftsregion Ruhr“ insgesamt: Schließlich soll es darum gehen, regionale Perspektiven zu entwickeln, ohne lokale Interessen und Belange zu vernachlässigen.

Mehr Infos über die UniverCity Bochum:

Im Internet präsentiert sich die „UniverCity Bochum“ unter der Adresse www.univercity-bochum.de
Auch bei Facebook, Instagram und Twitter ist die Initiative aktiv. 

UniverCity

 In Bochum arbeiten seit 2009 Stadt, Hochschulen und weitere Partner im Netzwerk „UniverCity Bochum“ zusammen. Ziel der mittlerweile zwölf Partner ist die Stärkung Bochums als Wissenschaftsstadt.

Die UA Ruhr

In der Universitätsallianz Ruhr arbeiten die Ruhr-Universität Bochum, die Technische Universität Dortmund und die Universität Duisburg-Essen seit 2007 strategisch eng zusammen. Mit mehr als 120.000 Studierenden und nahezu 1.300 Professorinnen und Professoren gehört die UA Ruhr zu den größten und leistungsstärksten Wissenschaftsstandorten Deutschlands.