Datenbrillen für die Pflege

Im Studienzentrum Essen der Hamburger Fern-Hochschule läuft ein zukunftsweisendes Forschungsprojekt: Experten entwickeln eine „Pflegebrille“.

Dass die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, ist eine Herausforderung für das Gesundheitswesen. Noch gibt es kein umfassendes Konzept, das die Pflegeversorgung dauerhaft sicherstellen wird. Doch die Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten. Durch technische Unterstützung können Pflegepersonen entlastet werden.

In einem Forschungsprojekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung untersucht das Studienzentrum Essen der Hamburger Fern-Hochschule – zusammen mit weiteren Hochschulen und Industriepartnern – dieses Thema. Der Fokus liegt dabei auf der ambulanten Intensivpflege.

Das Projekt hat das Ziel, mit Datenbrillen die Pflegenden zu entlasten und den stärkeren Einbezug von Angehörigen oder Freunden zu fördern. Dazu wird „Augmented Reality“-Technologie verwendet. Die Grundidee ist, dass in Wohnungen von Pflegebedürftigen eine Datenbrille vorhanden ist, die Informationen zur Erleichterung der Pflege anzeigt und die Zusammenarbeit aller Pflegenden fördert.

„Augmented Reality“ ist eine intelligente Erweiterung der menschlichen Wahrnehmung. Sie bringt Informationen optisch oder akustisch ein. Dies geschieht, ohne dass die Pflegekräfte in ihrer Bewegung oder Arbeit eingeschränkt werden. Datenbrillen wiegen nicht viel, sind freihändig bedienbar, haben Bewegungssensoren und Softwareschnittstellen für individuelle Erweiterungen.

Nach einer Feldphase, bei der im Austausch mit Pflegekräften und Angehörigen Informationen gesammelt wurden, sind bereits neun Kategorien identifiziert, die dieses Spannungsfeld der Arbeits- und Interaktionsprozesse kennzeichnen. Daraus wurden dann vier Testanwendungen entwickelt und auf die Datenbrille programmiert: Pflegeplan des Patienten, Mundhygiene, Prüfung der Werte am Beatmungsgerät und Schmerzmanagement.

Der Forschungsverbund geht davon aus, dass Mitte 2019 ein marktreifer Prototyp vorgestellt wird. Es wäre ein großer Schritt zur Arbeitsentlastung und Qualitätssicherung in der ambulanten Intensivpflege.

www.pflegebrille.de