Arbeiten hinter den Kulissen

Blickt man auf die Welt von Wissenschaft und Forschung, geraten sie oft in Vergessenheit – die Menschen, die mit ihrer Arbeit Tag für Tag dazu beitragen, dass hinter den Kulissen alles reibungslos läuft. Wir haben mit drei dieser Menschen gesprochen.

VOLLER EINSATZ IN DER MENSA

Im Reich von Martin Koch ist die Currywurst-Pfanne der Hit. „Dieses Gericht ist halt ein Dauerbrenner“, sagt der Küchenchef der Mensa auf dem Campus der Universität Duisburg-Essen. „Aber auch Schweinshaxe und Burger sind sehr gefragt.“

Bis zu 3.000 Mahlzeiten gehen am Essener Campus jeden Tag über den Tresen. Damit der Betrieb reibungslos läuft, ist in der Mensa des Studierendenwerks ein Team von knapp 50 Leuten im Einsatz. Bei Küchenchef Martin Koch laufen alle Fäden zusammen.

Sein Arbeitstag beginnt um sieben Uhr morgens. Martin Koch schließt zunächst die Türen auf, sichtet frisch angelieferte Waren und überprüft die Vorräte. Dann beginnt der Betrieb in der Küche, ab elf Uhr stehen die ersten hungrigen Studenten vor der Tür.

Als Mensa-Chef gehört für Martin Koch auch viel Büroarbeit zum Job: Zutaten bestellen, Hygienevorschriften dokumentieren, Personal- und Speisepläne aufstellen. „Da komm’ ich kaum an den Herd“, sagt der 49-Jährige. „Das ist schade, schließlich habe ich schon immer gerne gekocht – aber mir macht auch das Organisieren viel Spaß.“

Die Arbeit in der Mensa unterscheide sich von der Arbeit in einem Restaurant, sagt Martin Koch, der seinen Beruf Mitte der 1980er-Jahre im Essener Traditionslokal „Kockshusen“ gelernt hat: „Die Mengen, die Geräte – hier ist alles eine ganze Nummer größer“.

Bei der Qualität könne die Mensa aber mithalten. „Die Zeiten, in denen morgens das ganze Essen vorgekocht wurde, um dann den ganzen Tag warmgehalten zu werden, sind lange vorbei“, so Martin Koch. Heutzutage sei es die Regel, dass die Speisen im Tagesverlauf stets frisch in der Küche zubereitet werden.

Feierabend hat Martin Koch, wenn alle Studenten satt sind. „Klassischerweise arbeiten Köche ja bis tief in die Nacht. Das habe ich früher auch jahrelang gemacht“, sagt er. „Jetzt genieße ich es, auch mal früh nach Hause zu kommen.“

Der Möglichmacher

Kai Fedder leitet die Mechanische Werkstatt der Universität Duisburg-Essen. Ohne die Bauteile, die dort entstehen, wäre so manche Forschung gar nicht möglich.

„Geht nicht? Gibt’s nicht!“: So könnte es lauten, das Motto der Mechanischen Werkstatt am hiesigen Campus der Universität Duisburg-Essen. Geleitet wird sie von Kai Fedder (39). Und was in seinen Hallen entsteht, ist immer einmalig. Es sind Bauteile für die Forschung, die es nirgends sonst zu kaufen gibt. Wissenschaftler kommen hier her, schildern die Herausforderung, vor der sie gerade stehen – und das Team um Kai Fedder fertigt an, was sie benötigen.

„Jeden Tag haben wir mit neuen Aufgaben zu tun. Das macht die Arbeit enorm abwechslungsreich“, sagt Kai Fedder. „Schon als ich noch klein war, hatte ich großes Interesse an Technik.“ Er hat dann den Beruf des Feinmechanikers gelernt, anschließend hat er noch seinen Meister gemacht. An der Ruhr-Uni Bochum hat er gearbeitet, er war in der Wirtschaft tätig und als Ausbilder bei der Industrie- und Handelskammer. Seit 2016 ist Kai Fedder in Essen. „Ich wollte halt zurück in die Praxis“, betont er.

Rund 1.000 Aufträge landen pro Jahr auf seinem Schreibtisch. Meist sind es Ingenieure, Biologen oder Chemiker, die ihn nach maßgefertigten Einzelteilen für ihre wissenschaftlichen Versuche fragen. „Wofür sie die Teile letztlich brauchen, ist für uns nachrangig“, sagt Kai Fedder, „wichtig ist für uns, dass es uns gelingt, sie zu bauen.“

Auf ca. 2.500 Quadratmetern erstreckt sich die Werkstatt. 30 Mitarbeiter sind im Einsatz, unter ihnen sieben Auszubildende. In den Hallen wird gedreht, gefräst und geschweißt. Muskelkraft und Fingerspitzengefühl sind gefragt, aber auch High-Tech. Manche Maschinen arbeiten bis auf einen tausendstel Millimeter genau.

Damit die Geräte arbeiten können, hat Kai Fedder zuvor am Computer die nötigen Modelle entworfen. Sein Bildschirm zeigt aufwändige, dreidimensionale Zeichnungen von Bauteilen. Häufig sind sie so filigran, dass erst eine vielfache Vergrößerung zeigt, worum es sich handelt. „Die Aufgaben werden immer komplexer.“

Und wenn er das sagt, klingt es nicht, als wolle er sich beschweren – wieso auch? Schließlich gilt hier doch das Motto „Geht nicht? Gibt’s nicht!“.

Ohne Technik geht es nicht

Sie sind die guten Geister im Hintergrund. Wenn alles rund läuft, bekommt man Fabian Borgböhmer und seine Kollegen im „Haus der Technik“ kaum zu Gesicht. Wenn sie aber gebraucht werden, sind sie sofort zur Stelle.

Konferenzen, Tagungen, Kongresse, Seminare, Workshops… Im „Haus der Technik“ gibt es rund 1.250 Veranstaltungen pro Jahr. Dass dabei alles rund läuft, ist auch die Aufgabe von Fabian Borgböhmer. Der 30-Jährige ist Veranstaltungstechniker. Als Praktikant kam er einst zum „Haus der Technik“, dann absolvierte er dort seine Ausbildung – und blieb dem Haus bis heute erhalten. „Es ist ein spannender Beruf“, sagt Fabian Borgböhmer.

Um sieben Uhr beginnt für Fabian Borgböhmer und seine Kollegen der Dienst. Zunächst machen sie das Haus startklar für den Tag. Sie fahren die Rechner in den Seminarräumen hoch, schalten Beamer ein, steuern Licht- und Tonanlagen. Wenn die Referenten eintreffen, hantieren sie mit deren USB-Sticks und Notebooks –
schließlich soll das Publikum sehen, was die Redner vorbereitet haben. Während der Veranstaltungen sind die Techniker ständig erreichbar.

„Heute ist bei den Veranstaltungen immer sehr viel Technik im Einsatz“, sagt Ulrich Erdmann (60), der Technische Leiter des Hauses. „Und leider ist jede Technik anfällig für Fehler. Da ist es unsere Aufgabe, für jedes Problem eine Lösung zu finden.“ In den 1990ern seien ja noch Overhead-Projektoren das Maß aller Dinge gewesen, „da musste man höchstens mal eine Birne auswechseln oder Folienstifte nachlegen“. Heute hätten Veranstalter andere Erwartungen. „Aus diesem Grund tun wir alles, um immer auf der Höhe der Zeit zu sein.“

So sind etwa jüngst im Foyer große Wandgemälde abgehängt worden. Die Bilder zeigten Krupp-Werkstätten samt Industrieumgebung. An gleicher Stelle hängen nun moderne Videowände. Veranstalter können darauf eigene Präsentationen abspielen. Die Idee dazu hatte Fabian Borgböhmer. „Wir bekommen hier sehr große Freiräume, um eigene Ideen einzubringen“, unterstreicht er. „Im November gibt es zum Beispiel wieder den ,Work & Health Congress’ – die Veranstaltung ist auf unsere Anregung hin entstanden.“

Jeden Montag trifft sich das Technik-Team, um die anstehenden Aufgaben zu planen. Doch in einem Gebäude, dessen Bau bereits 1922 begann und das im Zweiten Weltkrieg schwer von Bomben beschädigt worden war, kommt es oft vor, dass die beste Planung zunichte gemacht wird. „Aber genau das“, so Fabian Borgböhmer, „macht die Arbeit für uns ja so spannend.“

(Fotos: Tobias Appelt)